Podiumsdiskussion des Jugendkreistags im Schloss Sassanfahrt
Volles Haus, konzentrierte Atmosphäre und ein außergewöhnlich gut vorbereitetes Publikum: Bei der Podiumsdiskussion „Your Voice, Your Choice“ im Schloss Sassanfahrt stellten sich Mitte Februar die fünf Landratskandidaten den Fragen junger Menschen aus dem gesamten Landkreis. Eingeladen hatten der Jugendkreistag Bamberg, das Bildungsbüro des Landkreises, der Kreisjugendring Bamberg-Land und die Kommunale Jugendarbeit mit dem erklärten Ziel, insbesondere Erstwählerinnen und Erstwählern Orientierung für die Kommunalwahl am 8. März zu geben. Die Moderation übernahm Richard Padberg von Radio Bamberg.
Auf dem Podium diskutierten Johannes Maciejonczyk (CSU), Bruno Kellner (FREIE WÄHLER-ÜWG), Thomas Ochs (GRÜNE), Florian Köhler (AfD) und Alexander Graf (Die Linke). Schon vor Beginn der eigentlichen Debatte erhielten die Jugendlichen eine Einführung in das Wahlsystem durch den Kreisjugendpfleger Oliver Schulz-Mayr – ein bewusster Baustein politischer Bildung, mit dem der Jugendkreistag Hemmschwellen abbauen wollte.
Mobilität, Finanzen und Klimaschutz als zentrale Themen
Inhaltlich entwickelte sich schnell eine sachliche, teils pointierte Auseinandersetzung. Besonders intensiv wurde über Mobilität im ländlichen Raum diskutiert. Während Maciejonczyk die Schülerbeförderung als Kernaufgabe des Landkreises betonte und zusätzliche Leistungen unter Finanzierungsvorbehalt stellte, forderte Ochs strukturelle Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr und eine stärkere Taktung zentraler Linien. Kellner verwies auf bestehende Bahn- und Sonderverkehre, die es weiterzuentwickeln gelte. Köhler stellte die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund und äußerte Zweifel an pauschalen Vergünstigungen; stattdessen brachte er individuelle Förderansätze wie etwa Zuschüsse zum Führerschein ins Spiel. Graf wiederum argumentierte für eine stärkere soziale Staffelung und niederschwellige Angebote für junge Menschen mit geringem Einkommen.
Auch bei den Finanzen wurde deutlich, wie eng der Handlungsspielraum des Landkreises gesteckt ist. Einigkeit bestand darin, dass die medizinische Versorgung und die Kliniken zentrale Pflichtaufgaben darstellen. Unterschiede zeigten sich jedoch bei freiwilligen Leistungen. Ochs plädierte für eine Verschiebung von Prioritäten zugunsten des ÖPNV, während Köhler vor zusätzlichen Belastungen der Kommunen warnte. Maciejonczyk und Kellner hoben die Notwendigkeit solider Haushaltsführung hervor, Graf setzte stärkere soziale Akzente.
Im Themenfeld Klima- und Umweltschutz reichte das Spektrum von konkreten Ausbauplänen für erneuerbare Energien bis zu der Forderung nach strikter Kosten-Nutzen-Abwägung. Die Kandidaten machten damit deutlich, dass die Zielrichtung zwar oft ähnlich formuliert wird, die Wege dorthin jedoch unterschiedlich ausfallen.
Jugendliche auf Augenhöhe mit Kandidaten
Bemerkenswert war weniger die parteipolitische Zuspitzung als die Rolle des Jugendkreistags selbst. Die Delegierten traten gut vorbereitet auf, fragten nach, zitierten aus Programmen und ließen ausweichende Antworten nicht stehen. Das Gremium, in dem über 50 Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen sowie Berufsschulen vertreten sind und das über ein eigenes Budget verfügt, präsentierte sich als ernstzunehmender politischer Akteur im Landkreis.
Die Veranstaltung wirkte dadurch weniger wie ein klassischer Wahlkampftermin, sondern eher wie ein politischer Realitätscheck. Junge Menschen formulierten klare Erwartungen an Mobilität, Bildung, Klimaschutz und gesellschaftlichen Zusammenhalt und machten deutlich, dass sie ihre Stimme nicht nur abgeben, sondern auch einfordern wollen.
Wer nicht live bei der Podiumsdiskussion dabei sein konnte, kann sie hier anschauen.


















