Nachhaltigkeit und Zukunftsbildung in Wien

Wien ist nicht nur eine der Hauptstädte mit der höchsten Lebensqualität, sondern bietet auch eine Vielzahl an lehrreichen Musterbeispielen, wie man Nachhaltigkeit und Zukunftsbildung im Schulalltag einbauen kann. Davon konnte sich eine Gruppe aus Lehrkräften der Staatlichen Berufsschule II Bamberg in Begleitung von Katharina Barth aus dem Bildungsbüro des Landkreises Bamberg überzeugen.

Im Rahmen der sogenannten Job-Shadowing-Maßnahme aus dem EU-Programm „Erasmus+“ setzten sich die Teilnehmenden an drei Projekttagen sowohl in der Theorie als auch in der Praxis intensiv mit den Themen Nachhaltigkeit und Zukunftsbildung auseinander. Die Erfahrungen fließen wiederum in den vom Bildungsbüro und der Berufsschule II organisierten Zukunftsbildungstag „Do Tomorrow“ am 16. Mai 2026 ein.

Tag 1 – Digitalisierung im Baugewerbe und Radtour

Am ersten Fortbildungstag besuchte die Gruppe vormittags die Berufsschule für Baugewerbe in Wien. In einem konstruktiven Gespräch mit dem stellvertretenden Schulleiter Herrn Prigl erhielten die Teilnehmenden einen prägnanten Einblick in die Schulorganisation und einen Überblick über das österreichische Bildungssystem. Besonders hervorzuheben ist die digitale Lernplattform „E-Baulehre“, die das zugrunde liegende Fachbuch abbildet, selbstständiges Lernen und Üben ermöglicht und Lehrkräften vielfältige Einsatz- und Kontrollmöglichkeiten bietet. Die fortlaufende Lernstandserfassung sowie zahlreiche Erklärvideos und Skizzen unterstützen individualisierte Lernwege und eine fundierte Auswertung des Lernfortschrittes.

Am Nachmittag folgte eine dreistündige Stadtführung per Fahrrad, bei der die Kultur und Geschichte der Stadt Wien im Vordergrund standen.

Tag 2 – Green Champions und Fairtrade Botschafter:innen

Am Dienstag stand für einen Teil der Gruppe der Besuch der Landesberufsschule in Laa an der Thaya auf dem Programm, die auf die Ausbildung von Einzelhandelskaufleuten spezialisiert ist und dabei eng mit der Supermarktkette SPAR zusammenarbeitet. Der regelmäßige und enge Austausch zwischen Schule und Ausbildungsbetrieb ermöglicht eine optimale Abstimmung der jeweiligen Anforderungen und Bedürfnisse. Daraus entsteht ein großer Mehrwert für alle Beteiligten, insbesondere für die Auszubildenden, die von praxisnahen Inhalten und zusätzlichen Ressourcen profitieren. Auch im Bereich Nachhaltigkeit ist die Schule stark engagiert: Neben der Zertifizierung durch das Umweltmanagementsystem EMAS beteiligt sich die Schule an weiteren Initiativen wie „ÖKOLOG“ und der „H2NOE Wasserschule“, die das Umweltbewusstsein der Schülerinnen und Schüler fördern. Der Besuch an der Landesberufsschule war äußerst informativ und bot zahlreiche wertvolle Impulse für die eigene pädagogische Praxis.

Der andere Teil der Gruppe besuchte am Vormittag die Sonderausstellung „More than Recycling“ im Technischen Museum Wien, die zeigte, wie Kreislaufwirtschaft über klassisches Recycling hinaus gedacht werden kann. Im Zentrum stand die Frage, wie wir künftig mit Ressourcen umgehen und welche Alternativen zur Wegwerfmentalität bestehen. Die Ausstellung führte durch Lebensbereiche wie Ernährung, Kleidung, Wohnen und Konsum. Dabei wurde deutlich: Nachhaltigkeit beginnt bereits beim Design und der Nutzung von Produkten. Ziel soll es sein, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten und Abfall zu vermeiden. Didaktisch überzeugte die Ausstellung durch interaktive Stationen: Besucherinnen und Besucher trafen Entscheidungen entlang eines „Utopienpfads“, entwickelten eigene Vorstellungen für nachhaltiges Handeln und reflektierten so ihr eigenes Konsumverhalten. Die Ausstellung zeigte, wie technologische und gesellschaftliche Innovation zusammenwirken können und bot für Lehrende zahlreiche Anknüpfungspunkte, um Nachhaltigkeit, Konsumkritik und Lösungsansätze praxisnah zu vermitteln.

Am Nachmittag stand der Besuch der SPAR Akademie Wien an, die ein innovatives Bildungskonzept auszeichnet. Die im Jahr 2000 gegründete Akademie ist die landesweit einzige unternehmenseigene Berufsschule mit Öffentlichkeitsrecht, an der jährlich rund 350 Lehrlinge von rund 16 Lehrenden ausgebildet werden. Eine Besonderheit der Ausbildung ist die Vermittlung von ökologischer und sozialer Verantwortung. In Zusammenarbeit mit dem WWF können die Jugendlichen die Zusatzausbildung zum „Green Champion“ absolvieren und sich somit im Bereich Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit im Einzelhandel weiterbilden. Darüber hinaus bietet die SPAR Akademie als zertifizierte Fairtrade-Schule den Lehrlingen die Möglichkeit zur Zusatzausbildung im Bereich des fairen Handels, um Kundinnen und Kunden gezielt über das Fairtrade-Prinzip informieren zu können. Die Akademie schafft somit einen Bildungsraum, der über die reine Warenkunde hinausgeht und die Persönlichkeitsentwicklung sowie das Bewusstsein für globale Zusammenhänge in den Mittelpunkt stellt.

Tag 3 – Zukunftsbildung made in Baden

Am Mittwoch besuchte die Gruppe die Pädagogische Hochschule Niederösterreich (PHNÖ) in Baden. Nach der Begrüßung gab Prof. Zenz eine Einführung in das Studienmodell für Berufsschullehrkräfte in Niederösterreich. Im Gegensatz zum Lehramtsstudium in Bayern handelt es sich um ein berufsbegleitendes Studium, das zum Erwerb eines Bachelors mit der Option auf ein anschließendes Master-Erweiterungsstudium führt. Im Anschluss thematisierte Frau Lughammer die Vermittlung von Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung. Nachhaltigkeit wird dabei als Zusammenspiel der drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales verstanden. Auf dieser Grundlage entwickeln Studierende projektorientierte Unterrichtseinheiten, beispielsweise zur Weiterentwicklung eines Schulgartens einer benachbarten Grundschule, unter Einbezug der 17 Ziele der Vereinten Nationen. Im dritten Vortrag von Prof. Dr. Sippl und Prof. Tengler stand der Schwerpunkt „Futures Literacy“ des UNESCO‑Lehrstuhls an der PHNÖ im Mittelpunkt, der anhand eines Methodenmosaiks veranschaulicht wurde. Die Auseinandersetzung mit Zukunftsthemen ist ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung der Studierenden. Die interaktive Ausstellung „Stadt der Zukunft“, die vor Ort besucht werden konnte, zeigte anschaulich, wie Schülerinnen und Schüler für Zukunftsthemen begeistert werden können. Das anschließende Feedbackgespräch bildete den Abschluss eines sehr informativen Tages und einer eindrucksvollen Job-Shadowing-Woche mit vielseitigen Einblicken in nachhaltige Unterrichtsprojekte an österreichischen Berufsschulen.